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Therapieformen

Hypnotherapie

aktualisiert am · Redaktion Geistmagazin

Kurz gesagt

Die Hypnotherapie ist ein Behandlungsverfahren, bei dem ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit und erhöhter Suggestibilität genutzt wird, um Beschwerden zu lindern, Verhalten zu verändern und andere Therapieverfahren zu unterstützen.

Hypnotherapie – Symbolbild

Was ist Hypnotherapie?

Bei der Hypnotherapie wird Hypnose gezielt als Behandlungsmethode eingesetzt. Hypnose ist ein Zustand tiefer Konzentration und Entspannung, in dem die Aufmerksamkeit stark nach innen gerichtet ist und Menschen offener für Vorschläge, sogenannte Suggestionen, sind. Hypnotisierte Personen bleiben wach, hören ihre Umgebung und behalten die Kontrolle. Sie können nicht gegen ihren Willen zu etwas gebracht werden. Hypnotherapie ist keine eigene Heilkunde, sondern ein Verfahren, das in Medizin, Psychotherapie und Zahnmedizin ergänzend eingesetzt wird. Sie ist abzugrenzen von der Showhypnose auf Bühnen, bei der Unterhaltung im Mittelpunkt steht.

Geschichte der Hypnose

Die Wurzeln reichen zu Franz Anton Mesmer im 18. Jahrhundert, der einen „tierischen Magnetismus“ annahm. Der schottische Arzt James Braid prägte 1843 den Begriff „Hypnose“ nach dem griechischen Wort für Schlaf, obwohl es sich nicht um Schlaf handelt. Jean-Martin Charcot und Hippolyte Bernheim nutzten sie im 19. Jahrhundert, Sigmund Freud verwarf sie später zugunsten der Psychoanalyse. Entscheidende Impulse für die moderne Hypnotherapie gab der amerikanische Psychiater Milton H. Erickson (1901 bis 1980), der mit indirekten Suggestionen, Metaphern und Geschichten arbeitete. Auf ihn bezieht sich die „ericksonsche Hypnotherapie“.

Wie läuft eine Sitzung ab?

  • Vorgespräch: Ziele, Beschwerden, Erwartungen und Vorerkrankungen werden besprochen. Mögliche Ängste vor Kontrollverlust werden aufgegriffen.
  • Induktion: Durch Atem- und Entspannungsanleitungen sowie Fokussierung wird die Trance eingeleitet.
  • Arbeitsphase: Es werden Vorstellungsbilder, Suggestionen oder Strategien erarbeitet, etwa zur Schmerzkontrolle oder Angstbewältigung.
  • Rückführung: Die Person wird zurück in den Alltagszustand geführt.
  • Nachbesprechung: Erfahrungen werden besprochen, Übungen für zu Hause vereinbart.

Eine Sitzung dauert meist 45 bis 90 Minuten. Viele Verfahren lehren auch Selbsthypnose, um Techniken eigenständig anzuwenden.

AnwendungsgebietStand der Evidenz (Überblick)
ReizdarmsyndromGute Hinweise auf Wirksamkeit; in der deutschen Leitlinie als Option genannt
Schmerz (zum Beispiel bei Eingriffen)Hinweise auf Linderung als Ergänzung zur Behandlung
Angst und AnspannungBegrenzte, teils positive Befunde, meist als Zusatz
RauchentwöhnungGemischte Befunde, keine klare Überlegenheit
SchlafproblemeErste Hinweise, Studienlage uneinheitlich
GeburtsvorbereitungWird eingesetzt, Befunde gemischt

Wie wirksam ist Hypnotherapie?

Die Forschung zeigt, dass Hypnose insbesondere bei Schmerz und funktionellen Magen-Darm-Beschwerden helfen kann. Eine Übersichtsarbeit von Montgomery und Kollegen (2000) fand, dass Hypnose die Wirkung kognitiver Verhaltenstherapie verbessern kann; die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich, und viele Studien sind klein. Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie hat 2006 Hypnotherapie für bestimmte Anwendungsbereiche, etwa psychische und somatoforme Störungen, als wissenschaftlich anerkannt bewertet, ohne dass sie als Richtlinienverfahren der gesetzlichen Krankenkassen gilt. Hypnose wird daher meist als Ergänzung zur Verhaltenstherapie oder anderen Verfahren genutzt, nicht als alleiniger Ersatz.

Merke: Hypnotherapie ist kein Wundermittel und keine Willenskontrolle. Sie funktioniert nur, wenn die Person kooperiert, und wirkt individuell unterschiedlich. Seriöse Anbieter machen keine Heilversprechen.

Hypnotherapie im Vergleich

MerkmalHypnotherapieEntspannungsverfahren (zum Beispiel Autogenes Training)
AnsatzSuggestionen und Vorstellungsbilder, oft therapeutisch geführtSelbstinstruktion und Üben
ZielsetzungSymptomlinderung, Verhaltensänderung, RessourcenaktivierungEntspannung, Stressabbau
AnleitungTherapeut:in leitet anAnfangs Anleitung, später eigenständig

Risiken und Grenzen

Hypnotherapie gilt bei fachgerechter Anwendung als sicher, kann aber Nebenwirkungen haben, etwa Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel oder aufkommende belastende Erinnerungen. Bei schweren psychischen Erkrankungen wie Psychosen ist Vorsicht geboten. Kritisch sind sogenannte Rückführungen, bei denen angeblich verdrängte Erinnerungen geborgen werden: Suggestionen können falsche Erinnerungen erzeugen, weshalb diese Methode nicht empfohlen wird. Menschen mit Traumafolgen sollten nur von erfahrenen Fachleuten behandelt werden.

Beispiel: Ein Mann mit einer ausgeprägten Zahnarztangst lernt bei einer Psychotherapeutin mit hypnotherapeutischer Weiterbildung Selbsthypnose. Er übt, sich einen sicheren Ort vorzustellen und die Atmung zu verlangsamen. Beim nächsten Termin gelingt es ihm, die Behandlung mit weniger Anspannung zu bewältigen.

Wer darf Hypnotherapie anbieten?

Der Begriff „Hypnotherapeut“ ist nicht geschützt. Seriös ist eine Behandlung durch approbierte Ärztinnen, Psychotherapeuten oder Zahnärzte mit anerkannter Weiterbildung, etwa über die Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose oder die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie. Wer eine Behandlung sucht, sollte nach Qualifikation, Erfahrung und Ablauf fragen. Heilpraktiker dürfen im Rahmen ihrer Erlaubnis arbeiten; Informationen zur Qualifikation enthält der Ratgeber Heilpraktiker für Psychotherapie. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht, wenn Hypnose als eigenständiges Verfahren eingesetzt wird; als Methode innerhalb einer Psychotherapie kann sie Teil der Behandlung sein.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Bei anhaltenden Ängsten, Schlafproblemen oder Schmerzen sollte zuerst die Hausarztpraxis körperliche Ursachen abklären. Psychotherapeutische Sprechstunden vermittelt die 116117.

Fazit

Hypnotherapie kann als Ergänzung bei Schmerz, funktionellen Beschwerden und Ängsten hilfreich sein. Wichtig sind Qualifikation der Behandelnden, realistische Erwartungen und die Einbettung in eine umfassende Behandlung.

Häufige Fragen

Was ist Hypnotherapie?

Ein Behandlungsverfahren, das Hypnose nutzt, um durch fokussierte Aufmerksamkeit und Suggestionen Beschwerden zu lindern und Veränderungen zu unterstützen.

Kann man gegen seinen Willen hypnotisiert werden?

Nein. Hypnose erfordert Kooperation. Menschen behalten die Kontrolle und können jederzeit abbrechen.

Wer zahlt Hypnotherapie?

Meist müssen Patienten selbst zahlen. Als Methode innerhalb einer Psychotherapie kann sie Teil einer von der Kasse getragenen Behandlung sein.

Wie viele Sitzungen sind nötig?

Das hängt vom Anliegen ab. Oft werden mehrere Sitzungen vereinbart, ergänzt durch Übungen zur Selbsthypnose.

Quellen

  1. Montgomery, G. H., DuHamel, K. N. & Redd, W. H. (2000): A meta-analysis of hypnotically induced analgesia. International Journal of Clinical and Experimental Hypnosis, 48(2), 138–153.
  2. Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie (2006): Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung der Hypnotherapie.
  3. Hammond, D. C. (2010): Hypnosis in the treatment of anxiety- and stress-related disorders. Expert Review of Neurotherapeutics, 10(2), 263–273.

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