Entscheidungshilfe
Wer hilft mir? Psychologe, Psychiater oder Psychotherapeut
Fünf kurze Fragen, eine passende Anlaufstelle. Die Antworten werden nicht gespeichert. Eine Diagnose ersetzt das nicht.
Passende Anlaufstelle
Bei akuter Lebensgefahr, Suizidgedanken mit konkretem Plan oder wenn jemand andere gefährdet: Notruf 112. Außerhalb von Praxiszeiten erreicht der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 eine Ärztin oder einen Arzt. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Kinder und Jugendliche erreichen die Nummer gegen Kummer unter 116 111.
Auch die Notaufnahme eines Krankenhauses mit psychiatrischer Abteilung ist jederzeit eine Möglichkeit.
Für Medikamente, die Abklärung körperlicher Ursachen (zum Beispiel Schilddrüse, Schlaf, Nebenwirkungen) und eine ärztliche Diagnose sind Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie oder die Hausarztpraxis die richtige Adresse. Nur Ärztinnen und Ärzte dürfen verschreibungspflichtige Medikamente verordnen. Die Kosten übernimmt in der Regel die gesetzliche Krankenversicherung.
Mehr dazu: Was macht ein Psychiater? und der Unterschied zwischen Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut.
Eine Behandlung durch Gespräche bei einer psychischen Erkrankung übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung bei zugelassenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Der erste Schritt ist die psychotherapeutische Sprechstunde; sie ist ohne Überweisung möglich. Termine vermittelt unter anderem die Terminservicestelle unter 116117. Danach folgen meist einige probatorische Sitzungen und der Antrag bei der Krankenkasse.
Die Richtlinienverfahren sind Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und systemische Therapie. Mehr: Was macht ein Psychotherapeut?
Beratung, Coaching und Orientierung ohne Krankheitswert gehören nicht zur Heilbehandlung. Psychologinnen und Psychologen mit Hochschulabschluss bieten sie an, zum Beispiel zu Stress, Entscheidungen, Beziehungen oder Berufsfragen. Die Kosten tragen in der Regel die Ratsuchenden selbst; Beratungsstellen in Trägerschaft von Kommunen, Kirchen oder Verbänden sind oft kostenlos oder günstig.
Der Begriff Psychologe sagt nichts über eine Zulassung zur Heilbehandlung aus. Dazu zählt die Approbation als Psychotherapeut. Mehr: Was macht ein Psychologe?
Die Heilerlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, beschränkt auf Psychotherapie, setzt eine Überprüfung beim Gesundheitsamt voraus, aber kein Studium der Medizin oder Psychologie. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Behandlung in der Regel nicht; manche private Tarife erstatten sie. Medikamente dürfen nicht verordnet werden. Qualifikation und Methoden unterscheiden sich stark: nach Ausbildung, Erfahrung und Vorgehen vorab fragen.
Wer noch nicht sicher ist, beginnt am besten mit der Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Sprechstunde. Dort wird eingeordnet, ob eine Erkrankung vorliegt und welche Behandlung passt. Termine für die Sprechstunde vermittelt die Terminservicestelle unter 116117. Beratungsstellen vor Ort helfen ebenfalls beim Einordnen.
Einen Überblick bietet der Unterschied zwischen Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut.
Die Anlaufstellen im Überblick
| Anliegen | Anlaufstelle | Kosten und Zugang |
|---|---|---|
| Akute Gefahr, Notfall | Notruf 112, ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117, Telefonseelsorge 0800 111 0 111 | kostenlos, rund um die Uhr |
| Medikamente, körperliche Abklärung, ärztliche Diagnose | Psychiater/in (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) oder Hausarztpraxis | gesetzliche Krankenversicherung |
| Behandlung durch Gespräche bei einer Erkrankung | Approbierte/r Psychotherapeut/in, zum Beispiel Verhaltenstherapie | Kassenleistung; Sprechstunde ohne Überweisung, Termine über 116117 |
| Beratung, Coaching, Orientierung ohne Krankheitswert | Psychologe/Psychologin (Beratung), Beratungsstellen | in der Regel Selbstzahler; Beratungsstellen oft günstig |
| Schneller Termin, privat bezahlt | Heilpraktiker/in für Psychotherapie | in der Regel Selbstzahler; keine Medikamente |
Mehr Hintergrund: Unterschied zwischen Psychologe, Psychiater und Psychotherapeut.