Depersonalisation
Kurz gesagt
Depersonalisation ist ein Erleben, bei dem sich Menschen von sich selbst, ihrem Körper oder ihren Gefühlen losgelöst oder wie ein außenstehender Beobachter fühlen, ohne dabei den Bezug zur Realität zu verlieren.

Was ist Depersonalisation?
Menschen mit Depersonalisation beschreiben, dass sie sich fremd vorkommen, sich wie in einem Film erleben oder neben sich stehen. Gedanken, Gefühle oder der eigene Körper erscheinen unwirklich oder gehören scheinbar nicht mehr zu ihnen. Wichtig ist: Die Betroffenen wissen, dass sich das Erleben seltsam anfühlt, ihre Realitätsprüfung bleibt intakt. Damit unterscheidet sich Depersonalisation von Psychosen. Kurzzeitige Phasen sind verbreitet und können bei Stress, Müdigkeit oder Angst auftreten. Eine Depersonalisations-Derealisationsstörung liegt vor, wenn das Erleben anhält oder immer wiederkehrt und stark belastet (ICD-10: F48.1, ICD-11: 6B66).
Depersonalisation und Derealisation
| Begriff | Erleben | Beispielaussage |
|---|---|---|
| Depersonalisation | Selbst, Körper oder Gefühle wirken fremd oder unwirklich | „Ich sehe mir selbst von außen zu.“ |
| Derealisation | Umwelt wirkt unwirklich, wie hinter Glas oder im Nebel | „Alles um mich herum ist wie ein Traum.“ |
Beide Formen treten häufig zusammen auf und gehören zu den dissoziativen Phänomenen (siehe dissoziative Störungen). Typisch sind außerdem Gefühlstaubheit, Gedankenleere, das Gefühl, Erinnerungen gehörten nicht zu einem selbst, und verändertes Zeiterleben.
Wie häufig ist es?
Vorübergehende Depersonalisationserlebnisse kennen viele Menschen; Studien nennen Häufigkeiten von bis zu über der Hälfte der Bevölkerung im Laufe des Lebens. Die Störung selbst betrifft laut DSM-5-TR etwa ein bis zwei Prozent. Sie beginnt meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter und tritt bei Frauen und Männern ähnlich häufig auf.
Ursachen und Auslöser
- Stress und Angst: Panikattacken und starke Anspannung gehen häufig mit Depersonalisation einher (siehe Panikstörung).
- Trauma: Besonders emotionale Misshandlung, Vernachlässigung und belastende Kindheitserfahrungen erhöhen das Risiko.
- Substanzen: Cannabis, Halluzinogene, Ketamin und andere Drogen können Depersonalisation auslösen oder verstärken.
- Erkrankungen: Depression, Angststörungen, Epilepsie, Migräne oder Schlafentzug kommen infrage.
- Persönlichkeit: Hohe Selbstbeobachtung und Grübelneigung begünstigen die Aufrechterhaltung.
Neurobiologisch wird ein übermäßiges Abdämpfen emotionaler Reaktionen diskutiert, bei dem der präfrontale Cortex die Aktivität von limbischen Strukturen wie der Amygdala unterdrückt. Die Forschung ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
Wie fühlt sich Depersonalisation an?
Betroffene beschreiben das Erleben mit Bildern wie „hinter Glas“, „wie ferngesteuert“ oder „wie eine Kamera“. Manche spüren ihren Körper nicht mehr richtig, andere erleben ihre Stimme als fremd. Gefühle sind abgeschwächt, obwohl man sie sich wünscht. Viele fürchten, den Verstand zu verlieren. Genau diese Angst und die ständige Selbstbeobachtung halten das Erleben aufrecht, weshalb Aufklärung ein erster Schritt der Behandlung ist.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf ist unterschiedlich: Bei manchen klingt das Erleben nach Wochen ab, bei anderen wird es chronisch, mit gleichbleibender oder schwankender Intensität. Studien zeigen, dass Psychotherapie hilfreich sein kann, auch wenn die Forschungslage vergleichsweise dünn ist. Belastende Lebensumstände zu verändern und Begleiterkrankungen zu behandeln, verbessert die Aussichten.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch ein ausführliches Gespräch. Wichtig ist, körperliche Ursachen wie Epilepsie, Schilddrüsenerkrankungen oder Medikamentennebenwirkungen auszuschließen und Substanzkonsum zu klären. Fragebögen wie die Cambridge Depersonalization Scale können zur Einschätzung beitragen.
Behandlung
Es gibt kein zugelassenes Medikament speziell für die Depersonalisationsstörung. Psychotherapie, insbesondere kognitive Verhaltenstherapie, hilft, Fehlinterpretationen („Ich werde verrückt“) zu korrigieren, die Selbstbeobachtung zu verringern und mit Gefühlen umzugehen. Traumatherapeutische Verfahren kommen infrage, wenn belastende Erlebnisse im Hintergrund stehen. Begleitende Depressionen oder Ängste werden gesondert behandelt.
Depersonalisation und Angst
Viele Betroffene erleben Depersonalisation in Verbindung mit Panik. Das Gefühl der Fremdheit löst Angst aus, diese verstärkt wiederum die Symptome. Dieser Kreislauf lässt sich durchbrechen, wenn man lernt, das Erleben als vorübergehend und ungefährlich einzuordnen.
Was im Alltag hilft
- Erdungsübungen: Füße spüren, kaltes Wasser, Gegenstände greifen, fünf Dinge benennen, die man sieht
- Regelmäßig schlafen, bewegen und essen
- Alkohol und Drogen meiden
- Aufmerksamkeit nach außen lenken statt auf das Gefühl
- Stress abbauen mit Atemübungen und Achtsamkeit
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Wenn Depersonalisation über Wochen anhält, den Alltag stört oder mit Angst und Depression einhergeht, ist eine Abklärung sinnvoll. Erste Anlaufstellen sind Hausarztpraxis und psychotherapeutische Sprechstunden; Termine vermittelt die 116117.
Fazit
Depersonalisation ist ein verbreitetes, oft vorübergehendes Erleben. Hält es an, lässt es sich mit Psychotherapie und Strategien zur Stressbewältigung meist deutlich lindern.
Häufige Fragen
Was ist Depersonalisation?
Das Gefühl, sich selbst, den eigenen Körper oder die eigenen Gefühle als fremd oder unwirklich zu erleben.
Ist Depersonalisation gefährlich?
Nein. Sie ist belastend, aber nicht gefährlich. Anhaltende Beschwerden sollten dennoch abgeklärt werden.
Was ist der Unterschied zur Derealisation?
Bei der Depersonalisation wirkt das Selbst fremd, bei der Derealisation die Umgebung.
Wie wird sie behandelt?
Vor allem mit Psychotherapie, besonders kognitiver Verhaltenstherapie, sowie durch Behandlung von Angst, Depression und Trauma.
Quellen
- American Psychiatric Association (2022): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, Text Revision (DSM-5-TR). Depersonalization/Derealization Disorder.
- World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, 6B66 Depersonalization-derealization disorder. https://icd.who.int/
- Sierra, M. & Berrios, G. E. (1998): Depersonalization: Neurobiological perspectives. Biological Psychiatry, 44(9), 898–908.
Redaktion Geistmagazin · KI-gestützt erstellt, redaktionell zusammengestellt · Stand 21. Oktober 2026. Fehler entdeckt? Korrektur melden.





