Sunk-Cost-Fallacy
Kurz gesagt
Die Sunk-Cost-Fallacy ist ein Denkfehler, bei dem Menschen an einer Entscheidung festhalten oder weiter investieren, weil sie bereits Zeit, Geld oder Mühe aufgewendet haben, obwohl diese Kosten nicht mehr zurückzuholen sind.

Was ist die Sunk-Cost-Fallacy?
Der Begriff „Sunk Costs“ bedeutet versunkene Kosten: Aufwendungen, die bereits entstanden und nicht mehr rückgängig zu machen sind. Rational betrachtet dürften sie keine Rolle spielen, wenn man entscheidet, ob man weitermacht. Entscheidend wären nur zukünftige Kosten und Nutzen. In der Praxis lassen sich Menschen aber stark von dem leiten, was schon investiert wurde. Das nennt man Sunk-Cost-Fallacy oder Versunkene-Kosten-Trugschluss, im Deutschen auch „Concorde-Effekt“, nach dem Überschallflugzeug, das trotz früh absehbarer Unwirtschaftlichkeit weiterentwickelt wurde. Das Phänomen wurde von Arkes und Blumer (1985) in Experimenten gezeigt.
Typische Beispiele
| Bereich | Situation | Gedanke |
|---|---|---|
| Beziehung | Unglückliche Partnerschaft nach vielen Jahren | „Wir haben so viel zusammen aufgebaut“ |
| Beruf | Studium oder Job, der nicht passt | „Ich habe schon fünf Jahre investiert“ |
| Konsum | Schlechter Film im Kino | „Ich habe doch bezahlt, ich bleibe“ |
| Geld | Verlustreiche Aktie | „Ich verkaufe erst, wenn sie wieder im Plus ist“ |
| Projekte | Softwareprojekt läuft aus dem Ruder | „Jetzt aufhören wäre Verschwendung“ |
Warum fällt es uns schwer, loszulassen?
- Verlustaversion: Verluste schmerzen stärker als gleich große Gewinne, wie die Prospect-Theorie zeigt (siehe Framing-Effekt).
- Selbstrechtfertigung: Aufgeben würde zeigen, dass die frühere Entscheidung falsch war; das erzeugt kognitive Dissonanz.
- Verschwendungsangst: Der Wunsch, nichts zu „verschwenden“.
- Soziale Erwartungen: Man will konsequent wirken.
- Hoffnung auf Wende: Man glaubt, die nächste Investition werde alles retten.
Wie vermeidet man den Denkfehler?
- Bewusst fragen: Würde ich jetzt noch einmal so entscheiden, wenn ich neu anfangen müsste?
- Zukünftigen Nutzen und Kosten nüchtern vergleichen, am besten schriftlich.
- Vorab Ausstiegskriterien festlegen („Wenn bis Datum X Ziel Y nicht erreicht ist, höre ich auf“).
- Außenstehende um ihre Sicht bitten, denn sie sind weniger emotional beteiligt.
- Gelerntes anerkennen: Frühere Investitionen waren nicht vergeblich, wenn man daraus lernt.
Sunk-Cost-Fallacy und seelische Gesundheit
In Beziehungen und Lebensentscheidungen verbindet sich der Trugschluss oft mit Gefühlen wie Schuld, Angst und Verlustangst. Das macht Entscheidungen schwer und kann Menschen lange in belastenden Situationen halten. Wer unter einer Entscheidung stark leidet, kann sich in Beratung oder Psychotherapie unterstützen lassen. Erste Anlaufstellen sind Hausarzt, Psychotherapeut und die Terminservicestelle unter 116117.
Wissenschaftliche Befunde
Arkes und Blumer ließen Probanden zum Beispiel entscheiden, ob sie weiter in ein fast fertiges Flugzeugprojekt investieren sollten. Wer bereits viel investiert hatte, investierte eher weiter. Ähnliche Effekte fanden sich bei Eintrittskarten: Wer den vollen Preis bezahlt hatte, besuchte Veranstaltungen häufiger als Menschen mit Rabatt, selbst wenn sie weniger Lust hatten. Bei Kindern und manchen Tieren tritt der Effekt seltener auf, was darauf hindeutet, dass er mit Lernen über soziale Normen wie „nichts verschwenden“ zusammenhängt.
Sunk Costs in Unternehmen und Politik
In Organisationen wirkt der Trugschluss besonders hartnäckig, denn Verantwortliche wollen Fehlentscheidungen nicht eingestehen. Große Bauprojekte, Softwareeinführungen oder militärische Einsätze werden oft fortgesetzt, weil bereits enorme Mittel eingesetzt wurden. Hilfreiche Gegenmittel sind unabhängige Prüfungen, feste Meilensteine mit Abbruchoption und eine Kultur, in der ein Kurswechsel nicht als Versagen gilt.
Wann Durchhalten sinnvoll ist
Nicht jedes Festhalten ist ein Denkfehler. Viele lohnende Ziele, wie Ausbildung, Training oder Beziehungen, erfordern Ausdauer durch schwierige Phasen. Der Unterschied liegt in der Begründung: Wer aus Überzeugung vom zukünftigen Nutzen weitermacht, handelt rational. Wer nur weitermacht, weil er bereits viel investiert hat, folgt dem Trugschluss. Eine ehrliche Prüfung der Gründe hilft, beides auseinanderzuhalten.
Praktische Übung: Der Neustart-Test
Eine hilfreiche Übung ist der Neustart-Test. Man stellt sich vor, man stünde heute ganz am Anfang und hätte noch nichts investiert. Würde man mit dem jetzigen Wissen dieselbe Entscheidung treffen? Wenn nicht, ist das ein Hinweis, dass nur die Vergangenheit bindet. Hilfreich ist auch, die Optionen auf Papier gegenüberzustellen: Was kostet das Weitermachen noch, was bringt es, und was wäre die Alternative? Entscheidungen fallen so leichter, weil Gefühle und Fakten getrennt werden.
Mit dem Denkfehler verwandt sind der Ankereffekt und der Bestätigungsfehler, bei dem Informationen bevorzugt werden, die die bisherige Entscheidung stützen.
Fazit
Die Sunk-Cost-Fallacy zeigt, wie sehr Vergangenes unsere Entscheidungen bindet. Wer den Fehler kennt und gezielt nach vorn schaut, trifft bessere Entscheidungen.
Häufige Fragen
Was ist die Sunk-Cost-Fallacy einfach erklärt?
Der Denkfehler, an einer Sache festzuhalten, weil man schon viel investiert hat, obwohl diese Kosten nicht zurückzuholen sind.
Was sind versunkene Kosten?
Aufwendungen an Zeit, Geld oder Energie, die bereits angefallen und nicht mehr rückgängig zu machen sind.
Was ist der Concorde-Effekt?
Ein anderer Name für den Trugschluss, benannt nach dem Concorde-Projekt, das trotz absehbarer Verluste weiterverfolgt wurde.
Wie kann man dem Fehler entgegenwirken?
Mit der Frage, was ab jetzt die beste Option ist, mit vorab festgelegten Ausstiegskriterien und dem Blick von außen.
Quellen
- Arkes, H. R. & Blumer, C. (1985): The psychology of sunk cost. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 35(1), 124–140.
- Kahneman, D. & Tversky, A. (1979): Prospect theory: An analysis of decision under risk. Econometrica, 47(2), 263–291.
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