Framing-Effekt
Kurz gesagt
Der Framing-Effekt beschreibt das Phänomen, dass Menschen identische Informationen je nach Formulierung als Gewinn oder Verlust wahrnehmen und deshalb unterschiedlich entscheiden.

Was ist der Framing-Effekt?
Der Framing-Effekt (englisch: framing effect) ist ein kognitiver Verzerrungseffekt. Er zeigt, dass nicht nur der Inhalt einer Information, sondern auch ihr Rahmen (Frame) über Bewertung und Entscheidung bestimmt. Ob ein Joghurt „zu 90 Prozent fettfrei“ oder „mit 10 Prozent Fett“ beworben wird, ändert die Wahrnehmung, obwohl beide Aussagen gleich sind. Der Effekt gehört zu den bekanntesten Befunden der Entscheidungsforschung und wurde in den 1980er-Jahren von Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben. Er ist eng mit der Prospect-Theorie verbunden, nach der Verluste stärker wiegen als gleich große Gewinne.
Das Asian-Disease-Problem
In einem klassischen Experiment (Tversky & Kahneman, 1981) sollten Teilnehmende zwischen zwei Programmen zur Bekämpfung einer Krankheit wählen, die 600 Menschen bedroht. Die Programme waren objektiv gleichwertig, wurden aber unterschiedlich formuliert.
| Frame | Programm A (sicher) | Programm B (riskant) | Bevorzugt |
|---|---|---|---|
| Gewinn-Frame | 200 Menschen werden gerettet | Mit einem Drittel Wahrscheinlichkeit werden alle gerettet, mit zwei Dritteln niemand | überwiegend A (sicher) |
| Verlust-Frame | 400 Menschen sterben | Mit einem Drittel Wahrscheinlichkeit stirbt niemand, mit zwei Dritteln sterben alle | überwiegend B (riskant) |
Bei Gewinnen entscheiden sich Menschen also eher risikoscheu, bei Verlusten eher risikofreudig, obwohl sich die Ergebnisse nicht unterscheiden.
Arten von Framing
- Attribut-Framing: Eigenschaften werden positiv oder negativ beschrieben („90 % überlebt“ versus „10 % sterben“).
- Risiko-Framing: Entscheidungen unter Unsicherheit werden als Gewinn oder Verlust dargestellt.
- Ziel-Framing: Betont, was man durch Handeln gewinnt oder durch Nichthandeln verliert.
Beispiele aus Alltag, Medizin und Politik
Im Marketing, in der Gesundheitskommunikation und in der Politik wird Framing bewusst eingesetzt: „Steuerlast“ versus „Beitrag zur Gemeinschaft“. Das Konzept ist zudem verwandt mit dem Ankereffekt, bei dem eine Ausgangszahl Schätzungen beeinflusst, und mit dem Bestätigungsfehler.
Wie lässt sich der Effekt verringern?
- Informationen bewusst umformulieren: Wie würde die Aussage im anderen Frame lauten?
- Absolute Zahlen und Häufigkeiten prüfen, statt nur Prozentangaben.
- Entscheidungen nicht unter Zeitdruck treffen und eine Nacht darüber schlafen.
- Bei wichtigen Entscheidungen verschiedene Quellen und Darstellungen vergleichen.
Kritik und Grenzen
Nicht in jeder Studie zeigt sich der Effekt gleich stark. Metaanalysen (Kühberger, 1998) finden ihn zuverlässig, aber mit unterschiedlicher Größe je nach Aufgabe und Darstellung. Expertise, Zahlenverständnis und Motivation können ihn abschwächen. Wichtig ist, Framing nicht mit Manipulation gleichzusetzen: Jede Kommunikation hat einen Rahmen, der sich nicht vermeiden lässt. Problematisch wird es, wenn Rahmen gezielt Fakten verzerren.
Framing in der Gesundheitskommunikation
Besonders folgenreich ist Framing in der Medizin. Aussagen über Risiken wirken verschieden, je nachdem, ob relative oder absolute Zahlen genannt werden. „Das Risiko sinkt um 50 Prozent“ klingt eindrucksvoller als „das Risiko sinkt von zwei auf eins von 1.000“, auch wenn beides dasselbe meint. Fachleute fordern deshalb verständliche absolute Zahlen und natürliche Häufigkeiten (zum Beispiel „von 1.000 Menschen“). Auch Präventionsbotschaften können als Gewinn („Mit Bewegung bleiben Sie fit“) oder Verlust („Ohne Bewegung steigt Ihr Risiko“) formuliert sein, mit unterschiedlicher Wirkung je nach Verhalten.
Framing und Sprache in der Politik
Der Linguist George Lakoff machte den Begriff in der politischen Kommunikation bekannt. Worte wie „Flüchtlingswelle“ oder „Schutzsuchende“ rufen unterschiedliche Bilder hervor und prägen die Einstellung. Auch Medien wählen Rahmen, indem sie Aspekte betonen oder weglassen. Medienkompetenz heißt hier, Begriffe zu hinterfragen und mehrere Perspektiven zu lesen.
Framing in Therapie und Alltag
Das Prinzip wird auch konstruktiv genutzt: In der kognitiven Verhaltenstherapie lernen Menschen, belastende Situationen neu zu bewerten, was als Umdeuten oder „Reframing“ bezeichnet wird. Aus „Ich habe versagt“ kann „Ich habe etwas gelernt, das beim nächsten Mal hilft“ werden. Dabei geht es nicht um Schönreden, sondern um eine ausgewogenere Sichtweise.
Häufiges Missverständnis: Framing bedeutet nicht, dass Menschen grundsätzlich leicht zu täuschen wären. Es zeigt vielmehr, dass Urteile von Kontext, Emotionen und Aufmerksamkeit abhängen, was sich bei Bewusstsein und Übung abmildern lässt.
Fazit
Der Framing-Effekt zeigt, dass Entscheidungen weniger rational sind, als sie wirken. Wer ihn kennt, kann Darstellungen kritischer prüfen.
Häufige Fragen
Was ist ein Beispiel für den Framing-Effekt?
Ein Produkt „zu 90 Prozent fettfrei“ wirkt gesünder als eines „mit 10 Prozent Fett“, obwohl beides dasselbe bedeutet.
Wer hat den Framing-Effekt beschrieben?
Amos Tversky und Daniel Kahneman, besonders in ihrer Arbeit von 1981 zum Asian-Disease-Problem.
Was hat der Framing-Effekt mit der Prospect-Theorie zu tun?
Die Prospect-Theorie erklärt, dass Verluste schwerer wiegen als Gewinne; dadurch ändern Gewinn- und Verlust-Frames die Risikobereitschaft.
Wie schützt man sich vor Framing?
Indem man Informationen umformuliert, absolute Zahlen prüft und Entscheidungen nicht unter Zeitdruck trifft.
Quellen
- Tversky, A. & Kahneman, D. (1981): The framing of decisions and the psychology of choice. Science, 211(4481), 453–458.
- Kühberger, A. (1998): The influence of framing on risky decisions: A meta-analysis. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 75(1), 23–55.
Redaktion Geistmagazin · KI-gestützt erstellt, redaktionell zusammengestellt · Stand 21. Oktober 2026. Fehler entdeckt? Korrektur melden.





