Klaustrophobie
Kurz gesagt
Klaustrophobie ist eine spezifische Phobie, bei der enge, geschlossene oder überfüllte Räume wie Aufzüge, Tunnel oder MRT-Geräte starke Angst auslösen und deshalb gemieden oder nur unter großer Anspannung ertragen werden.

Was ist Klaustrophobie?
Klaustrophobie (von lateinisch „claustrum“, Verschluss) bezeichnet die übermäßige Angst vor engen oder geschlossenen Räumen. Sie zählt zu den spezifischen Phobien vom situativen Typ. In der ICD-10-GM wird sie unter F40.2 (spezifische Phobien) geführt, in der ICD-11 unter 6B03 (Spezifische Phobie; siehe ICD-11) und im DSM-5-TR als spezifische Phobie, situativer Typ. Typisch ist die Furcht, eingeschlossen zu sein, nicht entkommen zu können oder keine Luft zu bekommen. Schätzungen zufolge sind etwa 2 bis 5 Prozent der Bevölkerung betroffen, wobei Frauen häufiger Hilfe suchen.
Typische Auslöser
| Situation | Warum sie Angst auslösen kann |
|---|---|
| Aufzüge | Wenig Raum, Türen schließen, Gefühl des Ausgeliefertseins |
| MRT-Untersuchung | Enge Röhre, Lärm, Unmöglichkeit, sich zu bewegen |
| Tunnel, U-Bahn, Flugzeug | Keine Ausstiegsmöglichkeit während der Fahrt |
| Überfüllte Räume | Kein Platz, Körperkontakt |
| Kleine Räume ohne Fenster | Fehlender Ausblick, schlechte Luft |
Symptome
- Körperlich: Herzklopfen, Schwitzen, Zittern, Atemnot, Schwindel, Engegefühl in der Brust, Übelkeit.
- Gedanklich: „Ich ersticke“, „Ich komme hier nie raus“, „Ich verliere die Kontrolle“.
- Verhalten: Vermeiden von Aufzügen, Tunneln oder Flügen, Sitzplatz am Gang, Treppe statt Aufzug.
Die Symptome können bis zu einer Panikattacke reichen, siehe Panikstörung. Wie bei allen Phobien erkennen Betroffene die Angst oft als übertrieben, können sie aber nicht abstellen.
Ursachen
Mehrere Faktoren spielen zusammen. Lernerfahrungen wie ein stecken gebliebener Aufzug oder das Eingesperrtwerden in der Kindheit können durch klassische Konditionierung eine Angst festigen. Beobachtung von Angst bei anderen, Veranlagung und eine erhöhte Empfindlichkeit für körperliche Angstzeichen sind weitere Faktoren. Eine Theorie führt Klaustrophobie auf zwei Ängste zurück: die Furcht vor Einschränkung und die Furcht zu ersticken (Rachman & Taylor). Vermeidungsverhalten hält die Angst aufrecht, weil sich die Erfahrung „Es passiert nichts Schlimmes“ nicht einstellen kann.
Behandlung
Die wirksamste Methode ist die Expositionstherapie innerhalb der Verhaltenstherapie. Betroffene begegnen den gefürchteten Situationen schrittweise und werden dabei begleitet, bis die Angst nachlässt und sie neue Erfahrungen machen. Dabei werden auch Gedanken überprüft und Strategien wie ruhiges Atmen geübt. Oft reichen wenige Sitzungen. Auch virtuelle Realität wird in Studien erfolgreich eingesetzt. Bei medizinisch notwendigen Untersuchungen wie dem MRT helfen offene Geräte, Vorbereitung, Begleitung oder in Absprache mit der Ärztin eine Beruhigung.
Hilfreiche Tipps im Moment
- Langsam ausatmen und die Aufmerksamkeit auf die Umgebung richten.
- Vor der Situation klären: Wo ist der Ausgang, wie lange dauert es?
- Eine vertraute Person mitnehmen oder Musik hören.
- Nicht gegen die Angst ankämpfen, sondern sie vorüberziehen lassen.
Wann professionelle Hilfe?
Wenn die Angst den Alltag einschränkt, notwendige Untersuchungen oder Reisen verhindert oder stark leiden lässt, sind Hausarzt, Psychotherapeut oder Psychiater die richtigen Ansprechpartner. Die Terminservicestelle ist unter 116117 erreichbar.
Ablauf einer Expositionstherapie
| Schritt | Inhalt |
|---|---|
| 1. Aufklärung | Wie Angst funktioniert und warum Vermeidung sie aufrechterhält |
| 2. Angsthierarchie | Gemeinsam Situationen von leicht bis schwer ordnen, zum Beispiel offene Tür, Kleiderschrank, Aufzug mit Begleitung, allein im Aufzug, MRT-Attrappe |
| 3. Übung | Situationen aufsuchen, bis die Angst spürbar abnimmt, ohne zu fliehen |
| 4. Auswertung | Erwartung und tatsächlichen Ablauf vergleichen |
| 5. Rückfallvorbeugung | Weiter üben, Rückschläge einplanen |
Anders als bei einer bloßen Gewöhnung geht es darum, neue Erfahrungen zu speichern: Die Angst steigt, erreicht einen Höhepunkt und lässt wieder nach, ohne dass die befürchtete Katastrophe eintritt. Therapeuten begleiten die Übungen zunächst und geben später Aufgaben für zu Hause.
Klaustrophobie bei Kindern und im Alter
Auch Kinder können Ängste vor engen Räumen entwickeln, etwa nach einem Erlebnis im Spielzeugschrank oder Fahrstuhl. Wichtig ist, dass Eltern die Angst ernst nehmen, nicht erzwingen und nicht dauerhaft vermeiden, sondern behutsam und gemeinsam üben. Im höheren Lebensalter treten Ängste in engen Räumen manchmal erstmals im Zusammenhang mit gesundheitlichen Sorgen oder Erkrankungen auf, daher sollten körperliche Ursachen wie Atemwegs- und Herzerkrankungen ärztlich abgeklärt werden.
Abgrenzung
- Agoraphobie: Angst vor Situationen, aus denen Flucht schwer wäre, wie Menschenmengen und öffentliche Verkehrsmittel, siehe Agoraphobie.
- Soziale Phobie: Angst vor Bewertung durch andere, auch in großen Räumen.
- Panikstörung: Wiederkehrende, oft unerwartete Panikattacken.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlungsschwerpunkte unterscheiden können, auch wenn Exposition bei allen Formen eine wichtige Rolle spielt.
Fazit
Klaustrophobie ist häufig und gut behandelbar. Mit Konfrontation und Unterstützung gewinnen Betroffene Bewegungsfreiheit zurück.
Häufige Fragen
Was ist Klaustrophobie?
Eine spezifische Phobie mit starker Angst vor engen oder geschlossenen Räumen wie Aufzügen, Tunneln oder MRT-Geräten.
Was hilft gegen Angst im MRT?
Vorbereitung, offene Geräte, Begleitung, Atemübungen und gegebenenfalls Absprache mit der Ärztin über Beruhigung. Langfristig hilft eine Expositionstherapie.
Wie wird Klaustrophobie behandelt?
Meist mit Expositionstherapie in der Verhaltenstherapie, die oft in wenigen Sitzungen wirkt.
Ist Klaustrophobie dasselbe wie Panikstörung?
Nein. Bei Klaustrophobie tritt die Angst in bestimmten Situationen auf, bei der Panikstörung auch scheinbar ohne Auslöser.
Quellen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): ICD-11, 6B03 Spezifische Phobie. https://icd.who.int/
- Rachman, S. & Taylor, S. (1993): Analyses of claustrophobia. Journal of Anxiety Disorders, 7(4), 281–291.
- Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen (AWMF-Register Nr. 051-028).
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