Boreout
Kurz gesagt
Boreout bezeichnet einen Zustand chronischer Unterforderung und Langeweile am Arbeitsplatz, der mit Desinteresse, mangelnder Identifikation und innerer Kündigung einhergeht und körperliche wie seelische Beschwerden nach sich ziehen kann.

Was ist Boreout?
Der Begriff „Boreout“ wurde 2007 von den Schweizer Unternehmensberatern Philippe Rothlin und Peter R. Werder in ihrem Buch „Diagnose Boreout“ geprägt. Er beschreibt Beschäftigte, die sich bei der Arbeit dauerhaft unterfordert und gelangweilt fühlen und wenig Sinn in ihrer Tätigkeit sehen. Das Wort ist ein Gegenstück zu Burnout, bei dem Überlastung im Vordergrund steht. Boreout ist keine anerkannte medizinische Diagnose, sondern ein Konzept aus der Arbeitswelt. Die Beschwerden können dennoch real sein und mit Depressionen oder Erschöpfung zusammenhängen.
Drei Kernmerkmale
Rothlin und Werder nennen drei Elemente. Unterforderung bedeutet, dass die Aufgaben nicht genug Anreiz oder Abwechslung bieten. Langeweile entsteht, wenn es wenig zu tun gibt oder die Arbeit sinnlos erscheint. Desinteresse beschreibt den Verlust an Identifikation mit Arbeit und Unternehmen. Betroffene täuschen oft Beschäftigung vor, verlängern Aufgaben künstlich oder nutzen die Arbeitszeit privat, aus Angst, zusätzliche Aufgaben zu bekommen oder als faul zu gelten.
| Merkmal | Boreout | Burnout |
|---|---|---|
| Auslöser | Unterforderung, Sinnmangel | Überlastung, Dauerstress |
| Gefühl | Langeweile, Leere, Desinteresse | Erschöpfung, Gereiztheit, Zynismus |
| Verhalten | Aufgaben strecken, Rückzug, innere Kündigung | Überengagement, später Rückzug |
| Anerkennung | Kein eigenes Krankheitsbild | In der ICD-11 als berufsbezogenes Phänomen (QD85), ausdrücklich keine Krankheit |
Symptome und Folgen
- Seelisch: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Gefühl von Sinnlosigkeit, Gereiztheit, sinkendes Selbstwertgefühl
- Körperlich: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Schlafprobleme
- Verhalten: häufige Pausen, Zeitverschwendung im Internet, Krankmeldungen, Fluchtgedanken
- Langfristig: Risiko für depressive Erkrankungen, Angstprobleme oder Suchtverhalten
Studien deuten darauf hin, dass dauerhafte Unterforderung ähnlich wie Überforderung belastet, wenn Menschen keinen Einfluss auf ihre Aufgaben haben. Wissenschaftlich ist Boreout aber weniger gut untersucht als Burnout; viele Befunde stammen aus Befragungen.
Ursachen
Gründe liegen sowohl in der Organisation als auch bei der Person. Unklare Aufgabenverteilung, fehlende Herausforderungen, mangelnde Entwicklungsmöglichkeiten und monotone Prozesse zählen zu den Auslösern. Auf persönlicher Ebene können Perfektionismus, Angst vor Veränderung oder fehlendes Selbstvertrauen verhindern, dass Betroffene aktiv werden. Auch intrinsische Motivation spielt eine Rolle: Wer Arbeit als bedeutungslos erlebt, verliert den inneren Antrieb. Das Konzept des Flow von Mihály Csíkszentmihályi zeigt, dass Menschen am besten arbeiten, wenn Anforderung und Können zusammenpassen.
Was hilft?
- Die Situation ehrlich prüfen: Welche Aufgaben fehlen, was wäre interessant?
- Mit Vorgesetzten über Entwicklung, neue Aufgaben und Verantwortung sprechen
- Weiterbildungen, Projekte oder Rotationen anfragen (Job Crafting)
- Außerhalb der Arbeit Sinn und Herausforderung suchen, etwa im Ehrenamt oder in Hobbys
- Einen Stellenwechsel erwägen, wenn sich nichts ändert
- Bei anhaltender Niedergeschlagenheit Unterstützung suchen
Boreout in der Forschung
Die empirische Forschung verwendet eher Begriffe wie Unterforderung, Langeweile am Arbeitsplatz (job boredom) und Arbeitszufriedenheit. Befragungen zeigen, dass Langeweile mit geringerer Zufriedenheit, mehr Fehlzeiten und häufigeren depressiven Symptomen zusammenhängen kann. Ob Boreout als eigenständiges Syndrom zu sehen ist, bleibt umstritten. Zudem können Unter- und Überforderung gleichzeitig auftreten, etwa wenn Aufgaben monoton sind, aber enge Fristen drücken.
Abgrenzung zu Depression und Prokrastination
Wer dauerhaft antriebslos ist, wenig Freude empfindet und auch in der Freizeit abgeschlagen bleibt, leidet möglicherweise an einer Depression, die nicht nur mit der Arbeit zu tun hat. Aufschieben von Aufgaben (Prokrastination) kann aus Langeweile entstehen, hat aber auch andere Ursachen. Eine Abklärung hilft, die richtige Unterstützung zu finden.
Rolle von Unternehmen und Führung
Arbeitgeber können vorbeugen, indem sie Aufgaben passgenau zuschneiden, Autonomie ermöglichen, Rückmeldung geben und Entwicklungswege zeigen. Regelmäßige Gespräche helfen, Unter- und Überforderung früh zu erkennen. Betriebsärzte und Beratungsstellen bieten vertrauliche Unterstützung.
Arbeitsrechtliche Aspekte
Beschäftigte haben das Recht auf Gespräche über ihre Arbeitsaufgaben. Betriebs- oder Personalräte, Betriebsärzte und Beratungsstellen unterstützen bei der Klärung. Eine Versetzung oder Anpassung der Tätigkeit kann sinnvoll sein, wenn Unterforderung gesundheitliche Folgen hat. Bei einer ärztlich festgestellten Erkrankung besteht Anspruch auf Krankschreibung.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Halten Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen länger als zwei Wochen an, sollte die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis aufgesucht werden; Termine vermittelt die 116117.
Fazit
Boreout beschreibt die Belastung durch dauerhafte Unterforderung im Beruf. Offene Gespräche, neue Aufgaben und gegebenenfalls ein Wechsel können Sinn und Energie zurückbringen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Boreout?
Chronische Unterforderung und Langeweile im Job mit Desinteresse und innerer Kündigung.
Ist Boreout eine Krankheit?
Nein, es ist keine anerkannte Diagnose. Die Beschwerden können aber mit Depressionen oder Erschöpfung zusammenhängen.
Worin unterscheidet sich Boreout von Burnout?
Burnout entsteht durch Überlastung, Boreout durch Unterforderung und Sinnmangel.
Was kann man tun?
Mit Vorgesetzten sprechen, neue Aufgaben suchen, sich weiterbilden und bei anhaltenden Beschwerden Hilfe holen.
Quellen
- Rothlin, P. & Werder, P. R. (2007): Diagnose Boreout. Warum Unterforderung im Job krank macht. Berlin: Ullstein.
- Csikszentmihalyi, M. (1990): Flow: The Psychology of Optimal Experience. New York: Harper & Row.
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