Akzeptanz- und Commitment-Therapie
Kurz gesagt
Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) ist ein achtsamkeitsbasiertes verhaltenstherapeutisches Verfahren, das psychologische Flexibilität fördert, indem belastende Gedanken akzeptiert und Handlungen konsequent an persönlichen Werten ausgerichtet werden.

Was ist die Akzeptanz und Commitment Therapie?
Die Akzeptanz und Commitment Therapie, kurz ACT (gesprochen wie das Wort „act“, englisch für „handeln“), wurde in den 1980er- und 1990er-Jahren von Steven C. Hayes und Kollegen entwickelt. Sie zählt zur „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie. Statt unangenehme Gedanken und Gefühle zu bekämpfen oder zu verändern, lernen Betroffene, sie wahrzunehmen und anzunehmen, und sich stattdessen auf ein Leben nach eigenen Werten auszurichten. Zentrales Ziel ist die psychologische Flexibilität: die Fähigkeit, im gegenwärtigen Moment bewusst zu sein und das Verhalten an Werten statt an Vermeidung auszurichten.
Die sechs Kernprozesse
ACT wird häufig als „Hexaflex“ dargestellt, ein Modell mit sechs miteinander verbundenen Prozessen.
| Prozess | Kurz erklärt |
|---|---|
| Akzeptanz | Unangenehmes Erleben zulassen, statt dagegen anzukämpfen |
| Kognitive Defusion | Gedanken als Gedanken betrachten, nicht als Tatsachen |
| Gegenwärtiger Moment | Aufmerksamkeit bewusst auf das Hier und Jetzt richten, verwandt mit Achtsamkeit |
| Selbst als Kontext | Eine beobachtende Perspektive einnehmen, die nicht in Gedanken aufgeht |
| Werte | Klären, was im Leben wirklich wichtig ist |
| Engagiertes Handeln | Konkrete Schritte entsprechend der Werte unternehmen, auch bei Unbehagen |
Wie läuft eine ACT-Behandlung ab?
In der Therapie arbeiten Therapeutin und Patient mit Metaphern, Übungen und Alltagsaufgaben. Beispiele sind das Beobachten von Gedanken wie Wolken, die vorüberziehen, oder das Benennen von Gedanken („Ich habe den Gedanken, dass ich versage“). In der Wertearbeit wird geklärt, welche Lebensbereiche wie Beziehungen, Arbeit oder Gesundheit am Herzen liegen. Daraus werden konkrete Ziele abgeleitet. Die Therapie kann einzeln, in der Gruppe, als Selbsthilfebuch oder digital erfolgen.
Wofür wird ACT eingesetzt?
ACT wurde bei Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, chronischen Schmerzen, Stress und Burnout untersucht. Auch bei Tinnitus, Substanzstörungen und im Umgang mit schweren körperlichen Erkrankungen wird sie angewendet. Metaanalysen zeigen, dass ACT bei vielen Störungen besser wirkt als keine Behandlung und ähnlich wie etablierte Therapien (A-Tjak et al., 2015). Die Evidenz ist bei einigen Störungen belastbarer als bei anderen; in Deutschland ist ACT kein eigenes Richtlinienverfahren, wird aber häufig im Rahmen der Verhaltenstherapie eingesetzt.
Abgrenzung zur klassischen kognitiven Therapie
Die klassische kognitive Verhaltenstherapie prüft und verändert Gedanken, etwa durch Hinterfragen von Denkfehlern. ACT dagegen verändert die Beziehung zu den Gedanken: Sie müssen nicht widerlegt, sondern nur nicht mehr befolgt werden. Beide Ansätze lassen sich kombinieren; viele Therapeuten nutzen Elemente aus beiden.
Kritik und Grenzen
Kritiker weisen darauf hin, dass sich ACT in Teilen mit älteren Konzepten überschneidet und dass manche Studien methodische Schwächen haben. Zudem ist Akzeptanz kein Allheilmittel: Bei akuter Gefährdung, schwerer Psychose oder schwerem Trauma sind andere Schritte vorrangig. Auch ersetzt ACT nicht die Veränderung äußerer Belastungen, etwa einer ungesunden Arbeitssituation.
Wann professionelle Hilfe?
Wer über Wochen unter Niedergeschlagenheit, Ängsten oder Anspannung leidet, die den Alltag beeinträchtigen, sollte ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat suchen. Anlaufstellen sind Hausarzt, Psychotherapeut, Psychiater und die Terminservicestelle unter 116117.
ACT im Alltag üben
Einige Grundgedanken lassen sich ohne Therapie ausprobieren, ersetzen sie aber nicht bei ernsthaften Beschwerden. Hilfreich können kurze Übungen sein: bei einem belastenden Gedanken innerlich „Ich bemerke den Gedanken, dass …“ voranstellen, den Atem für eine Minute bewusst wahrnehmen oder sich abends fragen, welcher kleine Schritt heute einem persönlichen Wert gedient hat. Wichtig ist die Haltung: Es geht nicht darum, Gefühle wegzuschieben, sondern darum, handlungsfähig zu bleiben, auch wenn sie da sind. Wer merkt, dass Vermeidung das Leben zunehmend einengt, findet in der ACT einen Ansatz, der genau dort ansetzt.
Geschichte und Forschung
ACT entstand aus der Relational Frame Theory, einer Theorie über Sprache und Denken, die erklärt, warum gedankliches Grübeln so stark wirken kann. Seit den 1990er-Jahren wurde die Therapie in zahlreichen Studien untersucht, und sie ist in vielen Ländern Teil von Behandlungsleitlinien und Ausbildungen. In Deutschland verbreitet sich ACT über Weiterbildungen für Verhaltenstherapeuten und über Selbsthilfebücher.
Fazit
ACT bietet einen Weg, mit schwierigen Gedanken und Gefühlen zu leben, ohne das eigene Leben von ihnen steuern zu lassen. Der Fokus auf Werte macht die Therapie praktisch und sinnstiftend.
Häufige Fragen
Wofür steht ACT in der Psychotherapie?
ACT steht für Akzeptanz- und Commitment-Therapie. Der Name verweist auf Akzeptanz unangenehmer Erfahrungen und auf Commitment, also verbindliches Handeln nach eigenen Werten.
Was ist psychologische Flexibilität?
Die Fähigkeit, bewusst im Moment zu bleiben und das Verhalten an Werten auszurichten, auch wenn belastende Gedanken oder Gefühle auftreten.
Wird ACT von der Krankenkasse bezahlt?
ACT ist kein eigenes Richtlinienverfahren, wird aber von Verhaltenstherapeuten oft als Methode im Rahmen der Kassenleistung eingesetzt.
Worin unterscheidet sich ACT von kognitiver Verhaltenstherapie?
Die klassische kognitive Therapie verändert Gedankeninhalte, ACT verändert den Umgang mit Gedanken und betont Werte und Akzeptanz.
Quellen
- Hayes, S. C., Strosahl, K. D. & Wilson, K. G. (2012): Acceptance and Commitment Therapy: The Process and Practice of Mindful Change. 2nd ed. New York: Guilford Press.
- A-Tjak, J. G. L. et al. (2015): A meta-analysis of the efficacy of acceptance and commitment therapy for clinically relevant mental and physical health problems. Psychotherapy and Psychosomatics, 84(1), 30–36.
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