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Psychische Störungen

Posttraumatische Belastungsstörung

aktualisiert am · Redaktion Geistmagazin

Kurz gesagt

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung, die nach einem extrem belastenden Ereignis auftreten kann und durch Wiedererleben, Vermeidung, negative Veränderungen im Denken und Fühlen sowie ständige Übererregung gekennzeichnet ist.

Posttraumatische Belastungsstörung – Symbolbild

Was ist eine posttraumatische Belastungsstörung?

Eine posttraumatische Belastungsstörung entsteht als Folge eines Traumas, also eines Ereignisses mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophalem Ausmaß. Dazu zählen Gewalt, Unfälle, Naturkatastrophen, Krieg, Folter, sexueller Übergriff oder der plötzliche Tod einer nahestehenden Person. Nicht jeder, der ein Trauma erlebt, entwickelt eine PTBS: Viele Menschen verarbeiten Belastungen mit der Zeit selbst. Bei einem Teil bleiben die Folgen jedoch bestehen. Die Diagnose ist in der ICD-10 als F43.1 und in der ICD-11 als 6B40 klassifiziert; die ICD-11 trennt zudem die komplexe PTBS (6B41) ab. Im DSM-5-TR wird die Störung unter den trauma- und belastungsbezogenen Störungen geführt.

Typische Symptome

SymptombereichBeispiele
Wiedererleben (Intrusionen)Flashbacks, belastende Erinnerungen, Albträume, körperliche Reaktionen bei Erinnerung
VermeidungMeiden von Orten, Menschen, Gesprächen und Gedanken, die an das Ereignis erinnern
Negative Veränderungen in Denken und StimmungSchuld- und Schamgefühle, Gefühlstaubheit, Rückzug, verzerrte Überzeugungen („Ich bin schuld“)
ÜbererregungSchreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, ständige Wachsamkeit
DissoziationGefühl der Unwirklichkeit, Erinnerungslücken, Abgeschnittensein von sich selbst

Nach DSM-5-TR halten die Symptome länger als einen Monat an und beeinträchtigen den Alltag deutlich. Sie können sofort oder zeitverzögert auftreten, manchmal erst nach Monaten oder Jahren.

Wer erkrankt und warum?

Das Risiko hängt von der Art des Traumas ab. Von Menschen verursachte Gewalt, insbesondere sexualisierte Gewalt, führt häufiger zu PTBS als Unfälle oder Naturereignisse. Weitere Risikofaktoren sind frühere Traumata, psychische Vorerkrankungen, fehlende soziale Unterstützung und starke Dissoziation während des Ereignisses. Schutz bieten Rückhalt, Verarbeitungsmöglichkeiten und Resilienz. Biologisch zeigen Studien veränderte Reaktionen in der Amygdala, im Hippocampus und im präfrontalen Cortex sowie eine veränderte Stressregulation.

Merke: Eine PTBS ist keine Schwäche, sondern eine nachvollziehbare Reaktion des Gehirns auf extreme Bedrohung. Mit geeigneter Behandlung bessert sie sich bei vielen Betroffenen deutlich.

Trauma und akute Belastungsreaktion

Direkt nach einem Ereignis reagieren viele Menschen mit Schock, Verwirrung, Angst oder Gefühllosigkeit. Diese akute Belastungsreaktion ist eine normale Antwort und klingt oft innerhalb von Tagen bis Wochen ab. In dieser Zeit helfen Sicherheit, Ruhe, Kontakt zu vertrauten Menschen und praktische Unterstützung. Strukturierte Gespräche sofort nach dem Ereignis („Debriefing“) werden nicht empfohlen, da sie das Risiko nicht verringern. Entscheidend ist, die Entwicklung zu beobachten und bei anhaltenden Symptomen Hilfe zu suchen.

Folgen für Beziehungen und Alltag

Eine unbehandelte PTBS kann Partnerschaft, Familie, Beruf und Gesundheit belasten. Betroffene ziehen sich zurück, sind reizbar oder wirken emotional abwesend, was Angehörige verunsichert. Häufig kommen Schlafprobleme, Schmerzen oder Substanzkonsum als Bewältigungsversuch hinzu. Angehörige können unterstützen, indem sie zuhören, Druck vermeiden, Sicherheit geben und eigene Grenzen beachten.

Diagnose

Die Diagnose stellen Psychotherapeutinnen, Psychiater oder entsprechend qualifizierte Ärzte in einem ausführlichen Gespräch, meist ergänzt durch Fragebögen oder strukturierte Interviews. Wichtig ist, andere Erkrankungen abzugrenzen und zu erkennen, die häufig zusammen mit PTBS auftreten: Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen und dissoziative Störungen. Nach einem Trauma kann zunächst eine akute Belastungsreaktion auftreten, die in den ersten Wochen oft von selbst abklingt.

Beispiel: Nach einem schweren Verkehrsunfall schreckt ein Mann monatelang bei Bremsgeräuschen hoch, meidet Autofahrten und schläft schlecht. Nachts erlebt er den Unfall in Albträumen erneut. Erst nach einem Jahr sucht er Hilfe und beginnt eine traumafokussierte Psychotherapie.

Behandlung

Die S3-Leitlinie zur PTBS empfiehlt als Mittel der ersten Wahl traumafokussierte Psychotherapie. Dazu gehören die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie, bei der Betroffene lernen, Erinnerungen schrittweise anzusehen und Gedanken zu verändern, und EMDR, bei dem belastende Erinnerungen mit gezielten Augenbewegungen oder anderer Stimulation bearbeitet werden. Medikamente gelten nicht als Mittel erster Wahl; bestimmte Antidepressiva kommen als Ergänzung oder bei fehlender Möglichkeit zur Psychotherapie in Betracht. Sicherheit, Stabilisierung und der Aufbau sozialer Unterstützung sind wichtige Voraussetzungen.

Was im Alltag helfen kann

  • Schlaf, Bewegung und geregelte Tagesabläufe fördern
  • Auslöser kennen und Strategien zum Beruhigen üben, etwa Atem- und Erdungsübungen
  • Alkohol und andere Substanzen meiden, die Symptome langfristig verschlechtern
  • Vertraute Menschen einbeziehen und sich nicht isolieren
  • Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen nutzen

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Halten Albträume, Flashbacks, Vermeidung oder Übererregung länger als einige Wochen an, sollte die Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis aufgesucht werden; Termine vermittelt die 116117. Viele Bundesländer bieten Traumaambulanzen, die nach Gewalttaten schnelle Hilfe anbieten. Bei akuter Gefahr oder Suizidgedanken gilt der Notruf 112.

Fazit

Die PTBS ist eine ernste, aber gut behandelbare Folge von Trauma. Mit früher Hilfe und passender Therapie können viele Betroffene wieder ein stabiles Leben führen.

Häufige Fragen

Was sind typische Symptome einer PTBS?

Wiedererleben des Traumas, Vermeidung, negative Veränderungen im Denken und Fühlen sowie ständige Übererregung.

Wie lange dauert es, bis eine PTBS auftritt?

Symptome können sofort, aber auch erst nach Monaten oder Jahren auftreten.

Wie wird PTBS behandelt?

Mit traumafokussierter Psychotherapie, etwa kognitiver Verhaltenstherapie oder EMDR. Medikamente sind nicht erste Wahl.

Was ist der Unterschied zur komplexen PTBS?

Die komplexe PTBS entsteht meist nach langanhaltenden Traumata und umfasst zusätzlich Störungen der Gefühlsregulation, des Selbstbilds und der Beziehungen.

Quellen

  1. World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, 6B40 Post traumatic stress disorder. https://icd.who.int/
  2. Schäfer, I. et al. (2019): S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung. AWMF-Register-Nr. 155-001.
  3. American Psychiatric Association (2022): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, Text Revision (DSM-5-TR).

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