Messie-Syndrom
Kurz gesagt
Das Messie-Syndrom, fachlich Hoarding-Störung, ist eine psychische Störung mit anhaltender Schwierigkeit, Besitztümer wegzugeben, sodass Wohnräume überfüllt und unbenutzbar werden und erheblicher Leidensdruck entsteht.

Was ist das Messie-Syndrom?
„Messie“ stammt vom englischen „mess“ (Durcheinander, Unordnung) und wird im Alltag für Menschen verwendet, deren Wohnung durch Gegenstände stark überfüllt ist. Fachlich spricht man von Hoarding-Störung (englisch „hoarding“ für Horten, Ansammeln). Betroffene können sich nur schwer von Dingen trennen, auch wenn diese keinen praktischen Wert haben, und erleben bei dem Gedanken an Wegwerfen starke Belastung. Mit der Zeit nehmen die Gegenstände so viel Platz ein, dass Zimmer nicht mehr wie vorgesehen genutzt werden können. Ordnungsprobleme allein oder eine vorübergehend unaufgeräumte Wohnung sind noch kein Messie-Syndrom.
Klassifikation: ICD-11 6B24 (Hoarding-Störung), DSM-5-TR: Hoarding Disorder. In der älteren ICD-10 gab es keine eigene Kategorie. Nach dem DSM betrifft die Störung etwa zwei bis sechs Prozent der Bevölkerung.
Typische Merkmale
| Bereich | Beispiele |
|---|---|
| Verhalten | Anhäufen von Zeitungen, Kleidung, Verpackungen oder Vorräten, teilweise mehrfaches Erwerben gleicher Dinge |
| Gedanken | Gegenstände könnten noch einmal nützlich sein, haben emotionalen Wert oder sind Teil der Identität |
| Gefühle | Starke Angst, Schuld oder Verlustgefühl beim Wegwerfen; Scham über den Zustand der Wohnung |
| Folgen | Eingeschränkte Wohnfläche, Stolper- und Brandgefahr, hygienische Probleme, Konflikte mit Familie oder Vermietern |
Oft kommt ein Erwerbsverhalten hinzu: Betroffene kaufen oder sammeln immer wieder Neues, obwohl kein Platz da ist. Viele zeigen wenig Einsicht und erleben die Situation weniger bedrohlich, als sie Außenstehenden erscheint.
Ursachen und Entstehung
Das kognitiv-verhaltenstherapeutische Modell von Frost und Hartl (1996) beschreibt mehrere Faktoren: Schwierigkeiten in der Informationsverarbeitung (Entscheiden, Kategorisieren, Aufmerksamkeit), emotionale Bindung an Gegenstände, Vermeidung von Verlustgefühlen und Überzeugungen über den Wert von Dingen. Beteiligt sind außerdem erbliche Einflüsse, belastende Lebensereignisse wie Verluste, Mängel in der Kindheit oder Traumata. Häufig bestehen zusätzliche Erkrankungen wie Depression, Angststörungen oder ADHS. Auch körperliche Einschränkungen und Einsamkeit verstärken das Problem.
Abgrenzung zu ähnlichen Problemen
| Bild | Unterschied |
|---|---|
| Sammeln als Hobby | Geordnet, freudvoll, Wohnraum bleibt nutzbar |
| Zwangsstörung | Horten kann als Zwangssymptom vorkommen, ist aber meist mit Angst vor Wegwerfen verbunden; bei Hoarding fehlt oft die typische Zwangsgedanken-Struktur |
| Demenz | Gegenstände werden aufgrund von Orientierungs- und Gedächtnisstörungen angesammelt |
| Depression | Antriebslosigkeit führt zu Unordnung, ohne starkes Anhäufen von Dingen |
Wie wird das Messie-Syndrom behandelt?
Gut untersucht ist eine spezielle kognitive Verhaltenstherapie, wie sie Steketee und Frost entwickelt haben. Sie umfasst Motivationsarbeit, Training von Entscheidungen und Organisation, schrittweises Üben des Aussortierens und Wegwerfens (Exposition) und das Umgehen mit Erwerbsdrang. Die Behandlung braucht Zeit, und Rückfälle sind möglich. Bei Begleiterkrankungen kommen weitere Behandlungen hinzu. Ergänzend helfen Unterstützung im Haushalt, professionelle Entrümpelungshilfen im Einverständnis der Betroffenen und Selbsthilfegruppen.
Hinweise für Angehörige
- Nicht ohne Zustimmung entrümpeln: Das zerstört Vertrauen und kann zu Rückfällen führen
- Ruhig bleiben, Schuldzuweisungen vermeiden, kleine Schritte gemeinsam planen
- Sicherheit im Blick behalten, etwa Brandschutz und freie Fluchtwege
- Professionelle Hilfe vorschlagen und eigene Grenzen wahren
- Beratungsstellen oder soziale Dienste einbeziehen, wenn Gefahr besteht
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Wenn Wohnraum nicht mehr nutzbar ist, die Gesundheit gefährdet scheint oder starker Leidensdruck besteht, ist Unterstützung angezeigt. Ansprechpartner sind die Hausarztpraxis, psychotherapeutische Praxen, sozialpsychiatrische Dienste und kommunale Beratungsstellen. Termine vermittelt die 116117.
Folgen im Alltag
Wenn Räume nicht mehr genutzt werden können, leidet der Alltag: Kochen, Schlafen und Hygiene werden schwieriger, Besuch wird vermieden, was zu Rückzug und Einsamkeit führt. Hinzu kommen Gesundheitsrisiken durch Stürze, Schimmel oder Schädlinge und im Extremfall Wohnungsverlust. Viele Betroffene schämen sich und suchen erst spät Hilfe, oft auf Druck von Angehörigen, Vermietern oder Behörden.
Prognose und Rückfälle
Der Verlauf ist oft chronisch, ohne Behandlung nehmen die Ansammlungen meist mit dem Alter zu. Therapiestudien zeigen, dass sich Symptome deutlich verringern können, auch wenn viele Betroffene nicht vollständig beschwerdefrei werden. Nachsorge, regelmäßige Termine und ein verlässliches Unterstützungsnetz verringern das Rückfallrisiko.
Fazit
Das Messie-Syndrom ist eine ernstzunehmende psychische Störung, bei der das Loslassen von Dingen massiv erschwert ist. Mit verständnisvoller Unterstützung und spezieller Verhaltenstherapie lässt sich der Alltag verbessern.
Häufige Fragen
Ist das Messie-Syndrom eine anerkannte Diagnose?
Ja, fachlich als Hoarding-Störung (ICD-11 6B24, DSM-5-TR). „Messie-Syndrom“ ist die Alltagsbezeichnung.
Was unterscheidet Messie von einfacher Unordnung?
Beim Messie-Syndrom führt das Anhäufen von Gegenständen zu stark eingeschränktem Wohnraum und deutlichem Leid. Unordnung allein ist kein Krankheitszeichen.
Kann man ein Messie-Syndrom behandeln?
Ja, vor allem mit spezieller kognitiver Verhaltenstherapie. Die Behandlung ist langwierig, kann aber deutliche Verbesserungen bringen.
Wie können Angehörige helfen?
Mit Geduld, ohne Zwang und mit Unterstützung beim Kontakt zu Fachleuten. Heimliches Entrümpeln schadet meist.
Quellen
- World Health Organization: ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics, 6B24 Hoarding disorder. https://icd.who.int/
- American Psychiatric Association (2022): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition, Text Revision (DSM-5-TR). Hoarding Disorder.
- Frost, R. O. & Hartl, T. L. (1996): A cognitive-behavioral model of compulsive hoarding. Behaviour Research and Therapy, 34(4), 341–350.
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