Trockene Augen mit Kontaktlinsen: Was wirklich hilft

Wer Kontaktlinsen trägt, kennt das Gefühl: Nach ein paar Stunden fühlen sich die Augen sandig an, brennen leicht oder röten sich sichtbar. Studien zeigen, dass rund 50 Prozent aller Kontaktlinsenträger regelmäßig über Trockenheitssymptome klagen. Das ist keine Kleinigkeit, denn dauerhaft gereizte Augen können langfristig die Hornhaut belasten und dazu führen, dass Betroffene Linsen immer früher aus dem Auge nehmen oder ganz aufgeben.
Warum Kontaktlinsen die Augen austrocknen
Das Auge benötigt einen stabilen Tränenfilm, um die Hornhaut zu versorgen und glatt zu halten. Eine Kontaktlinse liegt direkt auf diesem Film und verändert seine Struktur. Sie teilt den Tränenfilm in zwei Schichten: eine unter der Linse und eine darüber. Beide Schichten sind dünner als normal und verdunsten schneller.
Hinzu kommt das Material der Linse. Ältere Hydrogel-Linsen nehmen Wasser aus dem Tränenfilm auf, um ihre eigene Feuchtigkeit zu halten. Das klingt paradox, ist aber so: Je trockener die Umgebungsluft, desto mehr Feuchtigkeit zieht die Linse aus dem Auge. Modernere Silikonhydrogel-Materialien haben dieses Problem zwar reduziert, aber nicht vollständig gelöst.
Auch externe Faktoren spielen eine Rolle. Klimaanlagen senken die Luftfeuchtigkeit in Büroräumen auf 30 bis 40 Prozent, der Richtwert für angenhemes Raumklima liegt bei 50 bis 60 Prozent. Bildschirmarbeit verringert die Lidschlagfrequenz von normal 15 bis 20 Mal pro Minute auf unter 5 Mal. Wer acht Stunden am Rechner sitzt und gleichzeitig Linsen trägt, kombiniert damit zwei der wirksamsten Austrockner.
Pflegelösungen: Nicht alle sind gleich
Die Pflegelösung ist das erste und wichtigste Stellrad. Viele Träger verwenden seit Jahren dieselbe Lösung aus der Drogerie, ohne je zu hinterfragen, ob sie zur eigenen Linse und zum eigenen Auge passt. Das ist ein Fehler.
Pflegelösungen unterscheiden sich in ihren Konservierungsmitteln, Netzmitteln und der Zusammensetzung des Pflegepuffers. Einige Lösungen enthalten Polyhexamethylenbiguanid (PHMB), das bei empfindlichen Augen Reizungen auslösen kann. Andere setzen auf wasserstoffperoxidbasierte Systeme, die vollständig konservierungsmittelfrei sind und von Augenärzten oft bei chronischen Beschwerden empfohlen werden. Diese Systeme erfordern allerdings eine Neutralisationszeit von mindestens sechs Stunden und dürfen nicht direkt ins Auge.
Wer unsicher ist, welche Lösung für seine Linsen geeignet ist, findet einen guten Überblick in einem Kontaktlinsenlösungen im Vergleich, der aktuelle Produkte nach Verträglichkeit, Preis und Anwendungskomfort gegenüberstellt. Wichtig: Immer die Herstellerempfehlung für die konkrete Linsenart beachten, denn nicht jede Lösung ist für jedes Material zugelassen.
Benetzungstropfen: Wann und welche
Benetzungstropfen, auch Augentropfen für Linsenträger genannt, können während des Tragens eingesetzt werden und lindern akute Trockenheit innerhalb von Minuten. Aber auch hier gibt es relevante Unterschiede.
Tropfen ohne Konservierungsstoffe sind die bessere Wahl für häufige Anwendung. Konservierte Lösungen eignen sich nur für gelegentlichen Einsatz, da sich Konservierungsmittel in der Linse anreichern können. Gute Benetzungstropfen enthalten Hyaluronsäure, Carbomer oder Hydroxypropylmethylcellulose (HPMC) als Wirkstoff. Hyaluronsäure in einer Konzentration von 0,1 bis 0,3 Prozent hat sich klinisch als wirksam erwiesen und hält den Tränenfilm länger stabil als einfache Kochsalzlösungen.
Praktische Regel: Ein bis zwei Tropfen pro Auge, maximal vier- bis sechsmal täglich. Wer öfter tropfen muss, sollte das als Signal werten und die Tragedauer reduzieren oder einen Augenarzt aufsuchen.
Tragedauer und Linsenwahl überdenken
Viele Beschwerden entstehen schlicht dadurch, dass Linsen zu lange getragen werden. Empfohlen werden 8 bis 12 Stunden täglich, je nach Material und individueller Verträglichkeit. Wer die Linsen morgens um sieben einsetzt und abends um 23 Uhr abnimmt, überschreitet diesen Rahmen deutlich.
Ein konkreter Ansatz: Linsen eine Stunde nach dem Aufwachen einsetzen und eine Stunde vor dem Schlafengehen herausnehmen. Das gibt der Hornhaut täglich zwei Stunden ungepufferten Sauerstoffzugang.
Auch der Linsenwechselrhythmus beeinflusst den Komfort. Monatslinsern lagern sich über die Tragezeit Proteine, Lipide und Ablagerungen ab, die die Benetzbarkeit der Oberfläche verschlechtern. Tageslinsen umgehen dieses Problem vollständig und werden von Augenärzten bei Trockenheitsbeschwerden oft als erster Schritt empfohlen, auch wenn sie teurer sind. Der Preisunterschied zwischen hochwertigen Monatslinsen und günstigen Tageslinsen liegt je nach Marke bei 20 bis 40 Euro im Monat.
Umgebung und Gewohnheiten anpassen
Pflege beginnt nicht nur am Auge. Wer die Ursachen bekämpfen will, sollte folgende Punkte prüfen:
- Luftfeuchtigkeit im Büro: Ein kleiner Luftbefeuchter am Schreibtisch kann die relative Feuchte von 35 auf 50 Prozent anheben. Das kostet 30 bis 60 Euro und ist eine der günstigsten Maßnahmen mit messbarem Effekt.
- Bildschirmposition: Der Monitor sollte leicht unterhalb der Augenhöhe stehen, damit das Oberlid weiter nach unten zeigt und die Tränenoberfläche verkleinert wird. Das reduziert die Verdunstungsrate nachweislich.
- Bewusstes Blinzeln: Klingt trivial, hilft aber: Wer sich angewöhnt, bei langer Bildschirmarbeit alle 20 Minuten für 20 Sekunden in die Ferne zu blicken und dabei mehrmals vollständig zu blinzeln, verteilt den Tränenfilm regelmäßig neu.
- Omega-3-Fettsäuren: Eine Ernährungsergänzung mit täglich 1.000 mg EPA/DHA kann laut mehreren klinischen Studien die Qualität der Meibom-Drüsensekretion verbessern, die für die Lipidschicht des Tränenfilms verantwortlich ist. Der Effekt setzt nach etwa acht Wochen ein.
- Handyhygiene: Hände vor dem Einsetzen und Herausnehmen der Linsen gründlich waschen und mit einem fusselfreien Tuch trocknen. Hautfette und Mikroorganismen auf der Linsenoberfläche verschlechtern die Benetzbarkeit und erhöhen das Infektionsrisiko.
Wann der Augenarzt gefragt ist
Gelegentliche Trockenheit am Abend ist normal. Wer jedoch täglich Beschwerden hat, morgens mit roten Augen aufwacht oder eine zunehmende Lichtempfindlichkeit bemerkt, sollte einen Augenarzt aufsuchen. Ein Schirmer-Test misst die Tränenmenge in fünf Minuten objektiv, eine Spaltlampenuntersuchung zeigt, ob die Hornhaut bereits Schäden aufweist.
In manchen Fällen steckt ein trockenes Augensyndrom hinter den Beschwerden, das unabhängig von den Linsen behandelt werden muss. Wer das ignoriert und einfach mehr Tropfen verwendet, verdeckt ein medizinisches Problem, statt es zu lösen. Frühzeitige Diagnose spart langfristig Kosten und schützt die Sehfähigkeit.
Redaktion Geistmagazin · KI-gestützt erstellt, redaktionell zusammengestellt · Stand 22. Oktober 2026. Fehler entdeckt? Korrektur melden.


