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Persönlichkeit & Motivation

MBTI

aktualisiert am · Redaktion Geistmagazin

Kurz gesagt

Der MBTI (Myers-Briggs-Typenindikator) ist ein Fragebogen, der Menschen anhand vier gegensätzlicher Präferenzpaare einem von 16 Persönlichkeitstypen zuordnet und auf der Typenlehre von C. G. Jung beruht.

MBTI – Symbolbild

Was ist der MBTI?

Der Myers-Briggs-Typenindikator, kurz MBTI, ist einer der bekanntesten Persönlichkeitstests der Welt. Er ordnet Menschen anhand von Antworten auf Alltagsfragen einem von 16 Typen zu, die mit vier Buchstaben abgekürzt werden, etwa INFJ oder ESTP. Entwickelt wurde er in den 1940er-Jahren von Katharine Cook Briggs und ihrer Tochter Isabel Briggs Myers, die Carl Gustav Jungs Typenlehre aus „Psychologische Typen“ (1921) in einen praktischen Fragebogen übersetzten. Heute wird er vor allem in Weiterbildung, Coaching und Personalentwicklung eingesetzt, obwohl die psychologische Forschung ihn kritisch sieht.

Die vier Dimensionen

Der MBTI geht von vier Gegensatzpaaren aus. Jede Person soll in jedem Paar eine Präferenz haben, ähnlich wie Rechts- oder Linkshändigkeit.

DimensionPol 1Pol 2
EnergiequelleExtraversion (E): Energie aus dem Austausch mit der AußenweltIntroversion (I): Energie aus dem inneren Erleben
InformationsaufnahmeSensing (S): konkrete Fakten, DetailsIntuition (N): Muster, Möglichkeiten
EntscheidungsweiseThinking (T): Logik, SachlichkeitFeeling (F): Werte, Auswirkungen auf Menschen
LebensstilJudging (J): Planung, StrukturPerceiving (P): Flexibilität, Offenheit

Aus den vier Entscheidungen ergibt sich der Typ, zum Beispiel ISTJ (introvertiert, sensorisch, denkend, urteilend) oder ENFP (extravertiert, intuitiv, fühlend, wahrnehmend). Die Begriffe sind im Sinne des Tests definiert: „Extraversion“ meint hier nicht unbedingt Gesprächigkeit, und „Feeling“ nicht Emotionalität. Weitere Hintergründe zu den Polen bieten die Einträge introvertiert und extrovertiert.

Die 16 Typen im Überblick

Die Kombinationen werden häufig in vier Gruppen eingeteilt: Analysten (NT), Diplomaten (NF), Wächter (SJ) und Entdecker (SP). Diese Gruppen sind kein Bestandteil des offiziellen Modells von Myers und Briggs, sondern gehen auf spätere Autoren zurück, vor allem David Keirsey. Jeder Typ erhält im Internet oft eine Beschreibung mit Stärken und Schwächen. Solche Typenporträts sind meist so allgemein formuliert, dass sich viele Leser darin wiederfinden. Dieses Phänomen heißt Barnum-Effekt.

Beispiel: Jemand liest die Beschreibung eines „INFJ“ und findet: „Du sehnst dich nach Verständnis, setzt dir aber hohe Maßstäbe.“ Fast jeder erkennt sich in solchen Sätzen wieder, unabhängig vom Testergebnis.

Wie wird der Test ausgewertet?

Im Test wählen Personen zwischen zwei Aussagen oder Wörtern. Die Antworten werden pro Dimension zu Punktwerten zusammengefasst. Wer knapp an der Grenze liegt, erhält dennoch einen eindeutigen Buchstaben. Dadurch entsteht eine künstliche Zweiteilung: Eine Person mit mittlerer Ausprägung kann bei einer Wiederholung des Tests einen anderen Buchstaben bekommen.

Wissenschaftliche Kritik

Die akademische Persönlichkeitspsychologie sieht den MBTI überwiegend kritisch:

  • Kategorien statt Kontinuum: Die meisten Eigenschaften sind normalverteilt. Die meisten Menschen liegen in der Mitte, nicht an den Polen. Eine Einteilung in zwei Typen verliert Information.
  • Zeitliche Stabilität: Studien berichten, dass ein erheblicher Teil der Testpersonen bei Wiederholung nach einigen Wochen in mindestens einer Dimension einen anderen Typ erhält.
  • Validität: Der Nutzen für die Vorhersage von Berufserfolg ist gering belegt.
  • Theoretische Grundlage: Jungs Typenlehre ist nicht empirisch abgesichert.
  • Faktorenstruktur: Die vier Dimensionen lassen sich nicht sauber als getrennte Faktoren nachweisen; Thinking/Feeling korreliert zum Beispiel mit Verträglichkeit.

Im Vergleich dazu gilt das Big-Five-Modell als wissenschaftlich besser abgesichert: Es misst fünf Eigenschaften auf Skalen und hat sich in vielen Kulturen und Studien bewährt. Zwischen MBTI und Big Five bestehen Überschneidungen: E/I ähnelt Extraversion, S/N hängt mit Offenheit zusammen, T/F mit Verträglichkeit, J/P mit Gewissenhaftigkeit. Neurotizismus fehlt im MBTI vollständig.

Merke: Der MBTI taugt als Gesprächsanlass über Vorlieben, nicht als Instrument zur Personalauswahl oder zur Diagnose von Persönlichkeit.

Wofür der MBTI sinnvoll sein kann

Viele Menschen empfinden den Test als hilfreich, um über Unterschiede in Teams zu sprechen. Er kann Selbstreflexion anregen und eine gemeinsame Sprache schaffen. Das gilt, solange Ergebnisse nicht als feste Wahrheit oder Schublade gelten. Wer Ergebnisse als „so bin ich nun mal“ deutet, riskiert Selbstbegrenzung. Aus Sicht der Forschung sind Persönlichkeitsmerkmale relativ stabil, aber nicht unveränderlich; sie entwickeln sich über das Leben hinweg.

Gibt es Alternativen?

ModellBesonderheit
Big Five (OCEAN)Fünf Dimensionen, wissenschaftlich gut belegt
HEXACOSechs Dimensionen, ergänzt um Ehrlichkeit-Bescheidenheit
EnneagrammNeun Typen mit Motivlehre, kaum empirisch geprüft

Die Geschichte hinter dem Test

Katharine Cook Briggs beschäftigte sich seit den 1910er-Jahren mit Persönlichkeitstypen und stieß auf Jungs Werk. Gemeinsam mit ihrer Tochter Isabel Briggs Myers, die keine akademische Ausbildung in Psychologie hatte, entwickelte sie einen Fragebogen, der es Menschen im Zweiten Weltkrieg erleichtern sollte, passende Arbeitsplätze zu finden. 1962 erschien der MBTI in seiner ersten veröffentlichten Form, später wurde er von der Firma CPP vertrieben. Heute gibt es zahlreiche Varianten und kostenlose Nachbauten im Internet, die nicht dem offiziellen Test entsprechen und teils andere Fragen verwenden.

Kognitive Funktionen: ein Zusatzmodell

Neben den vier Buchstaben wird im Umfeld des MBTI oft von „kognitiven Funktionen“ gesprochen, etwa introvertiertes Denken oder extravertiertes Fühlen. Diese Funktionsstapel gehen auf Jungs Theorie zurück und werden in Internetforen detailliert beschrieben. Sie haben in der empirischen Forschung keine belastbare Grundlage und wurden nie überzeugend nachgewiesen. Wer sie nutzt, bewegt sich im Bereich der Deutung, nicht der gesicherten Psychologie.

Typenmodell und Skalenmodell im Vergleich

Ein Grundproblem liegt im Denkansatz: Ein Typenmodell nimmt an, dass Menschen in getrennte Gruppen fallen. Dann müsste die Verteilung der Werte zwei Gipfel zeigen, einen für jeden Pol. Die Daten zeigen aber meist eine glockenförmige Verteilung mit der Masse in der Mitte. Skalenmodelle wie die Big Five tragen dem Rechnung, indem sie jede Eigenschaft als Kontinuum behandeln und Personen entsprechend einordnen. Das erlaubt feinere Aussagen: Eine Person ist nicht „introvertiert“ oder „extravertiert“, sondern mehr oder weniger extravertiert.

Merke: Wer seinen MBTI-Typ nennt, beschreibt eine Präferenz bei der Selbsteinschätzung an einem bestimmten Tag, kein festes Wesen.

Einsatz in Beruf und Beziehung

In Unternehmen dient der MBTI meist als Workshop-Werkzeug. Das kann nützlich sein, wenn er Verständnis für unterschiedliche Arbeitsstile fördert. Als Auswahlinstrument bei Bewerbungen wird er von Fachleuten abgelehnt, auch der Herausgeber rät davon ab. Auch in Partnerschaften wird gern auf „kompatible Typen“ verwiesen. Hierfür gibt es keine belastbare Evidenz: Beziehungszufriedenheit hängt stärker von Kommunikation, Werten und Verlässlichkeit ab als von Typenkombinationen.

Warum der Test trotzdem so beliebt ist

Die Beliebtheit hat psychologische Gründe. Der MBTI liefert eine positive, wertschätzende Beschreibung: Jeder Typ hat Stärken, keiner gilt als „schlecht“. Das Ergebnis ist leicht zu merken und zu teilen, und die Typenkürzel funktionieren wie ein soziales Etikett, das Gemeinschaft stiftet, etwa in Online-Foren. Hinzu kommt der Wunsch, sich selbst zu verstehen und zu erklären, warum man anders tickt als andere. Der Barnum-Effekt und der Bestätigungsfehler verstärken den Eindruck, die Beschreibung passe genau, weil man sich bevorzugt an zutreffende Teile erinnert und unpassende ausblendet.

Worauf man bei Ergebnissen achten sollte

  • Ergebnisse als Hypothese über sich selbst lesen, nicht als Urteil.
  • Auf die Nähe zu den Polen achten: Eine geringe Ausprägung bedeutet, dass beide Verhaltensweisen vorkommen.
  • Kostenlose Internettests nicht mit dem offiziellen Verfahren verwechseln.
  • Das Typenlabel nicht zur Entschuldigung („Ich bin eben INTP“) verwenden.

Fazit

Der MBTI ist beliebt, leicht verständlich und unterhaltsam. Wissenschaftlich ist er jedoch schwach abgesichert: Die Typen sind künstliche Schubladen, und die Ergebnisse schwanken. Als Anregung zur Selbstreflexion kann er nützlich sein, als verlässliche Persönlichkeitsdiagnostik nicht.

Häufige Fragen

Ist der MBTI wissenschaftlich fundiert?

Nur eingeschränkt. Kritisiert werden die Einteilung in Typen statt Skalen, geringe Retest-Stabilität und fehlende Vorhersagekraft. Das Big-Five-Modell gilt als besser belegt.

Was bedeuten die vier Buchstaben beim MBTI?

Sie stehen für je eine Präferenz in vier Dimensionen: E oder I, S oder N, T oder F, J oder P.

Kann sich der MBTI-Typ ändern?

Ja, Testergebnisse können sich verändern, vor allem wenn eine Person nahe an der Grenze zwischen zwei Polen liegt.

Welcher MBTI-Typ ist am häufigsten?

Die Häufigkeiten schwanken je nach Stichprobe. Genaue Zahlen sind unsicher, weil Typen aus dem Selbstbericht stammen und die Teilnehmerauswahl nicht repräsentativ ist.

Quellen

  1. Myers, I. B. & McCaulley, M. H. (1985): Manual: A guide to the development and use of the Myers-Briggs Type Indicator. Palo Alto: Consulting Psychologists Press.
  2. Pittenger, D. J. (1993): Measuring the MBTI … and coming up short. Journal of Career Planning and Employment, 54(1), 48–52.
  3. McCrae, R. R. & Costa, P. T. (1989): Reinterpreting the Myers-Briggs Type Indicator from the perspective of the five-factor model of personality. Journal of Personality, 57(1), 17–40.
  4. Jung, C. G. (1921): Psychologische Typen. Zürich: Rascher.

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