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Syndrome

Asperger-Syndrom

aktualisiert am · Redaktion Geistmagazin

Kurz gesagt

Das Asperger-Syndrom war eine Diagnose innerhalb des Autismus-Spektrums, gekennzeichnet durch Besonderheiten in sozialer Interaktion und Kommunikation bei weitgehend unauffälliger Sprach- und Intelligenzentwicklung, und wird heute in der Regel als Autismus-Spektrum-Störung bezeichnet.

Asperger-Syndrom – Symbolbild

Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom wurde nach dem Wiener Kinderarzt Hans Asperger benannt, der 1944 Kinder mit auffälligen sozialen Schwierigkeiten, enger Interessenbindung und besonderen Fähigkeiten beschrieb. Bekannter wurde der Begriff durch die britische Psychiaterin Lorna Wing, die ihn 1981 aufgriff. Bis vor wenigen Jahren galt das Asperger-Syndrom als eigene Diagnose (ICD-10: F84.5), bei der die Sprachentwicklung und die Intelligenz nicht verzögert sind. Mit dem DSM-5 (2013) und der ICD-11 (in Kraft seit 2022) wurden die früheren Untergruppen zu einer gemeinsamen Autismus-Spektrum-Störung zusammengefasst. Der Begriff „Asperger“ wird im Alltag aber weiter verwendet, und viele Betroffene bezeichnen sich so.

Typische Merkmale

BereichBeispiele
Soziale InteraktionSchwierigkeiten, Freundschaften aufzubauen, soziale Regeln zu erkennen, Mimik und Gestik zu deuten
KommunikationWörtliches Verstehen, Probleme mit Ironie und Redewendungen, ausführliches Sprechen über Lieblingsthemen
InteressenSehr intensive, oft spezialisierte Interessen (zum Beispiel Technik, Zahlen, Tiere)
RoutinenBedürfnis nach festen Abläufen, Stress bei unerwarteten Änderungen
SinneswahrnehmungÜberempfindlichkeit gegenüber Geräuschen, Licht, Berührung oder Gerüchen; auch Unterempfindlichkeit möglich
MotorikTeilweise ungeschickte Bewegungen

Die Ausprägung ist sehr unterschiedlich. Viele Betroffene haben besondere Stärken wie Detailgenauigkeit, Ehrlichkeit, Ausdauer und Mustererkennung. Manche kompensieren Schwierigkeiten durch Anpassung („Masking“), was auf Dauer erschöpft. Mädchen und Frauen werden oft später erkannt, weil sie sich stärker anpassen.

Ursachen

Autismus-Spektrum-Störungen sind neuronale Entwicklungsbesonderheiten. Zwillings- und Familienstudien zeigen einen hohen Erbanteil. Hinzu kommen Einflüsse auf die frühe Hirnentwicklung. Falsch ist die oft verbreitete Annahme, Autismus werde durch Erziehung, „kalte Eltern“ oder Impfungen verursacht; diese Annahmen sind wissenschaftlich widerlegt.

Merke: Autismus ist keine Krankheit im Sinne einer Fehlentwicklung durch Erziehung, sondern eine andere Art, wahrzunehmen und zu denken. Unterstützung zielt darauf, Teilhabe zu erleichtern und Belastungen zu verringern.

Diagnose

Die Diagnose stellen darauf spezialisierte Fachleute, etwa in Autismus-Ambulanzen, bei Kinder- und Jugendpsychiatern oder bei Fachärzten für Psychiatrie. Sie umfasst eine ausführliche Anamnese, Beobachtung und standardisierte Verfahren wie das ADOS-2 und das ADI-R, wie es die S3-Leitlinie zur Diagnostik beschreibt. Differenzialdiagnostisch müssen ADHS, Angststörungen, Depressionen, soziale Phobie und Persönlichkeitsstörungen berücksichtigt werden, die auch gleichzeitig vorliegen können.

Beispiel: Ein 30-jähriger Informatiker ist beruflich sehr erfolgreich, fühlt sich aber bei Teamveranstaltungen erschöpft und missverstanden. Er hat seit der Kindheit Mühe, Smalltalk zu führen, und liebt feste Rituale. Nach einer Diagnostik versteht er, dass seine Wahrnehmung autistisch geprägt ist, und findet passende Strategien.

Unterstützung und Therapie

Eine „Heilung“ gibt es nicht, aber viel Unterstützung. Bei Kindern sind frühe Förderung, Elternberatung und schulische Unterstützung wichtig. Für Jugendliche und Erwachsene eignen sich Training sozialer Kompetenzen, kognitive Verhaltenstherapie bei Angst oder Depression sowie Hilfen bei Berufseinstieg und Alltag. Reizarme Umgebungen, klare Strukturen und eindeutige Kommunikation erleichtern vieles. Selbsthilfegruppen und Autismus-Verbände bieten Austausch.

Asperger im Alltag, Schule und Beruf

In der Schule fallen Kinder oft durch Außenseiterrollen, Mobbingerfahrungen oder Konflikte mit Lehrkräften auf, obwohl sie gute Leistungen zeigen. Im Beruf passen Tätigkeiten mit klaren Aufgaben, Detailarbeit und strukturierten Abläufen oft gut. Schwierig sind unklare Erwartungen, laute Großraumbüros und viele soziale Termine. Nachteilsausgleiche, Einzelarbeitsplätze, schriftliche Absprachen und Assistenzangebote können Teilhabe verbessern.

Begleiterkrankungen

Autistische Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Angststörungen, Depressionen, ADHS und Schlafprobleme. Häufig werden diese Erkrankungen früher entdeckt als der Autismus selbst. Unbehandelt belasten sie zusätzlich, weshalb eine umfassende Diagnostik sinnvoll ist.

Stärken und Herausforderungen

Mögliche StärkenMögliche Herausforderungen
Aufmerksamkeit für DetailsSchwierigkeiten bei spontanen sozialen Situationen
Zuverlässigkeit und EhrlichkeitÜberforderung durch Reize
Tiefes Fachwissen in InteressengebietenStress bei Veränderungen
Logisches, strukturiertes DenkenMissverständnisse in Kommunikation

Diese Aufstellung ist keine Regel, denn jeder Mensch im Spektrum ist verschieden. Wichtig ist, Stärken zu sehen, ohne Belastungen zu verschweigen.

Zur Namensdebatte

Der Medizinhistoriker Herwig Czech wies 2018 nach, dass Hans Asperger im Nationalsozialismus in Wien in Entscheidungen über die Überweisung von Kindern an die Tötungsanstalt Am Spiegelgrund eingebunden war. Deshalb verwenden manche Fachleute und Betroffene den Namen nicht mehr und sprechen lieber von Autismus ohne Intelligenzminderung.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Wer vermutet, autistisch zu sein, kann mit der Hausarztpraxis oder einer psychiatrischen Praxis sprechen; die 116117 vermittelt Termine. Bei Kindern ist die Kinder- und Jugendarztpraxis die erste Anlaufstelle.

Fazit

Das Asperger-Syndrom steht für eine Form des Autismus mit unauffälliger Sprach- und Intelligenzentwicklung. Heute spricht man von Autismus-Spektrum-Störung; wichtig sind Verständnis, Diagnostik und passende Unterstützung.

Häufige Fragen

Gibt es das Asperger-Syndrom noch als Diagnose?

Nein, in DSM-5 und ICD-11 ist es Teil der Autismus-Spektrum-Störung. Der Begriff wird aber weiter umgangssprachlich verwendet.

Was sind typische Anzeichen?

Schwierigkeiten in sozialer Interaktion, wörtliches Verstehen, intensive Interessen, Wunsch nach Routinen und besondere Sinnesempfindlichkeit.

Wie wird Asperger diagnostiziert?

Durch spezialisierte Fachleute mit Gesprächen, Beobachtung und standardisierten Verfahren wie ADOS-2 und ADI-R.

Kann man Asperger heilen?

Nein. Autismus ist eine lebenslange Besonderheit, aber mit Unterstützung lässt sich der Alltag gut gestalten.

Quellen

  1. Asperger, H. (1944): Die „Autistischen Psychopathen“ im Kindesalter. Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten, 117, 76–136.
  2. Wing, L. (1981): Asperger's syndrome: A clinical account. Psychological Medicine, 11(1), 115–129.
  3. Czech, H. (2018): Hans Asperger, National Socialism, and „race hygiene“ in Nazi-era Vienna. Molecular Autism, 9, 29.

Redaktion Geistmagazin · KI-gestützt erstellt, redaktionell zusammengestellt · Stand 21. Oktober 2026. Fehler entdeckt? Korrektur melden.

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